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Training „Medizinische Fachsprache und Kommunikation“

Das medizinische Fortbildungsinstitut medisim GmbH & Co. KG führte im Auftrag des IQ Teilprojektes der AWO Bielefeld vom 31. Oktober bis 09. Dezember 2016 in Köln ein Training „Medizinische Fachsprache und Kommunikation“ durch, an dem ausländische Ärztinnen und Ärzte teilnehmen konnten. Für insgesamt 10 Teilnehmende simulierten Holger Roth und sein Team die Fachsprachprüfung, die die Ärztekammer durchführt.


Alle ausländischen Ärztinnen und Ärzte, die in Deutschland ärztlich tätig werden wollen, müssen ihr Arztdiplom (ärztliche Ausbildung) von der zuständigen Landesbehörde anerkennen lassen.

In einigen Bundesländern gibt es lediglich eine Approbationsbehörde, andere Bundesländer haben mehrere Approbationsbehörden in den verschiedenen Regionen. Zuständig ist die Behörde, in deren Einzugsbereich die Ärztin bzw. der Arzt arbeiten will. Der Sprachtest (Fachsprachprüfung) ist die Voraussetzung für eine Approbation.

Die 60-minütige Prüfung, die von der Ärztekammer in NRW abgenommen wird, unterteilt sich in 3 Stationen von jeweils 20 Minuten Dauer:

1. Arzt-Patienten-Gespräch

„Der Prüfling führt mit einem Patienten ein Anamnesegespräch. Die Rolle des Patienten nimmt ein Schauspieler ein. Der Prüfling behandelt ihn jedoch wie einen ganz normalen Patienten. So dass ein Arzt-Patienten-Gespräch simuliert wird, wie es aus dem Behandlungsalltag bekannt ist. Diese Methode stellt sicher, dass jeder Prüfungskandidat einen gleich schweren Fall erhält. Die Anamneseerhebung geschieht genauso wie dies im Studium erlernt wurde. Nachdem sich der Prüfling ein Bild von dem Patienten gemacht hat, erläutert er seine Verdachtsdiagnose und unterbreitet dem Patienten Vorschläge zur weiteren Diagnostik und Therapie. Dem Patienten sollen die als sinnvoll erachteten Maßnahmen erklärt und auf  Rückfragen reagiert werden. Dabei ist zu beachten, dass Patienten wenig mit medizinischen Fachausdrücken vertraut sind. Es ist wichtig, dass der Patient den zu prüfenden Arzt sicher und gut verstehen kann.“ (Ärztekammer NRW https://www.aekno.de/page.asp?pageID=10564, 21.12.2016)

Die Patientin bzw. der Patient erhält vorab ein schriftliches Profil. Darin werden ihre bzw. seine Symptome, die Krankengeschichte bis in die Kindheit, Erkrankungen in der Familie sowie die Lebenssituation vorgegeben. Der Prüfling muss diese Informationen mithilfe von Fragen ermitteln.


2. Dokumentation

„In der zweiten Station soll der Prüfling die Anamnese in einen Anamnesebogen übertragen. Dazu erhält der Prüfling von der ÄkNo ein vorgefertigtes Formular, wie es in jedem Krankenhaus des Kammergebietes in den Grundzügen vorhanden ist.“ (Ärztekammer NRW https://www.aekno.de/page.asp?pageID=10564, 21.12.2016)

Nach dem Anamnesegespräch erhält der Prüfling 20 Minuten Zeit, um das Arzt-Patienten-Gespräch zu reflektieren und einen Anamnesebogen auszufüllen. Hierbei sollen relevante Informationen, die der Prüfling vom Patienten erhalten hat, aus der Umgangssprache in medizinische Fachausdrücke übertragen werden. Der Anamnesebogen gibt dabei bereits die Fragestellung vor. Außerdem soll der Prüfling eine mögliche Diagnose stellen, die auf den Antworten des Patienten basiert.

3. Arzt-Arzt-Gespräch

„Die dritte Station der Prüfung stellt die Situation einer Visite nach. Hier trifft der Prüfling mit zwei Ärztinnen oder Ärzten zusammen (zum Beispiel einer Chefärztin und einem Oberarzt). Der Prüfling stellt den Ärzten in strukturierter Weise die in Station 1 gesehene Patientin oder den Patienten vor. Die Gesprächspartner sind Ärztinnen und Ärzte, sodass hier keine Laiensprache angewendet werden muss, sondern in der medizinischen Fachsprache kommuniziert werden soll. Es ist wichtig, über ein klar strukturiertes Vorgehen die Informationen zu der Patientin oder dem Patienten zu verdeutlichen. Hierbei sollte der Prüfling auch seine eigene Einschätzung der Lage und seine Ideen zur weiteren Behandlung erläutern. Nach der Patientenvorstellung werden die beiden Ärzte einige Rückfragen dazu stellen. Auch können die ärztlichen Kollegen dem Prüfling weitere Unterlagen zu dem Patienten vorlegen, die dieser bewerten soll.“ (Ärztekammer NRW https://www.aekno.de/page.asp?pageID=10564, 21.12.2016)

 

Die Koordinierung des IQ Netzwerkes NRW durfte die Simulation an allen Stationen begleiten und die Teilnehmenden kennenlernen. Es ist nicht einfach, vor allem die sprachlichen Voraussetzungen zu erfüllen. Da heißt es in erster Linie „Üben, Üben, Üben“ wie zum Beispiel die im Deutschen so typische Bildung von Komposita: „Beinverkürzung“ an Stelle von „die Patientin hatte ein kürzeres Bein. Auch den Transfer vom englischen oder lateinischen Fachwort zum deutschen Wort gilt es zu beherrschen.

Sechs Wochen konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Qualifizierung des IQ Netzwerkes NRW in Kooperation mit dem Teilprojekt „Integriertes Fach- und Sprachenlernen“ der AWO Bielefeld modellhaft ihr Basiswissen vertiefen.

Mit diesem Angebot werden die aktuellen Arbeitslinien der IQ Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch in Bezug auf die Umsetzung der neuen Deutschförderverordnung (DeuFöV) unterstützt und der Transfer bewährter Konzepte befördert.

Produktionsdatum: 12/2016

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Förderrunde IQ 2015–2018:

IQ Teilprojekt: Integriertes Fach- und Sprachlernen und individuelle berufsbezogene Deutschförderung

Teilprojektpartner: AWO Kreisverband Bielefeld e. V. Mercatorstr. 10, 33602 Bielefeld