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„Mein Ziel: Journalist in Deutschland sein.“ – Mohamed S. aus Syrien in der IQ Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung im Integration Point in Bonn

Seit April 2016 berät Christine Rohrer von LerNet Bonn/Rhein-Sieg e. V. im Integration Point Bonn Geflüchtete zu den Themen Anerkennung und Qualifizierung. Ziel der Integration Points (IP) ist die möglichst zeitnahe Arbeits- und Ausbildungsmarktintegration von Geflüchteten. Die IPs wurden sukzessive in allen Agenturbezirken der BA in NRW aufgebaut, sodass landesweit inzwischen 49 Integration Points mit 83 Standorten als zentrale Anlaufstellen zur Verfügung stehen. Die Idee: ein One-Stop-Shop für Geflüchtete. Dort werden die Kompetenzen von Arbeitsagentur, Jobcenter, Kommune, Sozialamt, Ausländerbehörde, Wohlfahrtsverbänden, Jugendamt und IQ Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung an einem Ort gebündelt.

Dreimal in der Woche haben Geflüchtete die Möglichkeit, Christine Rohrer in ihrem Büro im IP aufzusuchen, um mit ihr über Möglichkeiten der beruflichen Anerkennung, Zeugnisbewertungen, Praktikumsangebote und Qualifizierungen zu sprechen. Darüber hinaus bietet Lernet auch in der eigenen Geschäftsstelle in Bonn im Rahmen von IQ Anerkennungs- und Qualifizierungsberatungen an. Das Angebot dort richtet sich allerdings nicht ausschließlich an Geflüchtete, sondern an alle, die über eine ausländische Berufsqualifikation verfügen.

Mohamed S. ist vor einem Jahr nach Deutschland gekommen. Der Zweiunddreißigjährige stammt aus Damaskus und musste Syrien aufgrund des Krieges verlassen. Nun hofft er, in Deutschland auch beruflich Fuß zu fassen. Aktuell besucht er einen Deutschkurs, um das Sprachniveau B1 zu erreichen.

In der Beratung sammeln Christine Rohrer und Mohamed S. zunächst alle wichtigen Informationen und sichten alle Dokumente, die Mohamed S. mitgebracht hat.

„Es ist wichtig, einen Überblick zu bekommen. Nur so kann ich gemeinsam mit dem Ratsuchenden die nächsten Schritte besprechen“, sagt Christine Rohrer. Mohamed S. hat sein Diplom der Universität in Damaskus dabei. Nach der erfolgreichen Beendigung seines Journalismus-Studiums konnte er allerdings aufgrund des Krieges nie in seinem Beruf arbeiten. Er wünscht sich nun, in Deutschland endlich als Journalist tätig zu sein: „Ich möchte schreiben und den Menschen meinen Blick auf die Gesellschaft vermitteln.“

Mohamed S. bringt viele Fragen mit. Wie wird mein Zeugnis anerkannt? Kann ich noch mal studieren? Welches Sprachniveau muss ich nachweisen? Und wo gibt es Praktikumsmöglichkeiten für mich, um journalistisch zu arbeiten? Schritt für Schritt besprechen die beiden seine Anliegen.

„Es ist immer hilfreich, wenn die Ratsuchenden schon ein Ziel für ihre Zukunft im Kopf haben, aber dennoch für viele verschiedene Wege offen sind“, so Christine Rohrer. Mit Mohamed S. bespricht sie deshalb zunächst das Thema Zeugnisbewertung.

Sie erklärt ihm, dass sein Hochschulzeugnis nicht anerkannt, sondern durch die ZAB (Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen) bewertet wird. Eine Zeugnisbewertung ist ein offizielles Dokument, das eine ausländische Hochschulqualifikation beschreibt und ihre beruflichen und akademischen Verwendungsmöglichkeiten bescheinigt. Diese Bewertung soll den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt mit einer ausländischen Hochschulqualifikation erleichtern. Hierfür füllen beide gemeinsam als erstes das nötige Formular im Internet aus und bereiten alles für die Übersetzung seiner Dokumente vor.

Als Nächstes wird über Möglichkeiten gesprochen, wo Mohamed S. ein journalistisches Praktikum absolvieren könnte, um erste Berufserfahrung zu sammeln, ein Netzwerk aufzubauen und seine Deutschkenntnisse zu verbessern. Bewerbungen könnte er an die Deutsche Welle (DW), wdrforyou oder den Bonner General-Anzeiger senden. Mohamed S. ist motiviert und hofft, dass eine seiner Bewerbungen auf positive Resonanz stoßen wird.

Auch IQ Beraterin Christine Rohrer schätzt die Situation optimistisch ein: „Er hat viele Möglichkeiten. Sobald er etwas besser Deutsch spricht, könnte er sich auch an einer Hochschule bewerben und zu seinem syrischen Bachelor-Studium noch einen Master machen. Wenn er nebenbei schon als Journalist arbeiten kann, wäre das umso besser.“

Produktionsdatum: 07/2017 | Fotos: WHKT

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Förderrunde IQ 2015–2018:

IQ Teilprojekt: Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung für Geflüchtete in den Integration Points der BA, Bonn/Rhein-Sieg

Teilprojektpartner: LerNet Bonn/Rhein-Sieg e. V., Rathausstr. 3, 53225 Bonn