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Gelungene Impulstagung der mobilen Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung des IQ Netzwerkes NRW am 06.04.2017

Das Mobile Beratungsteam des IQ Netzwerks NRW veranstaltete am 6. April 2017 in der Handwerkskammer Düsseldorf eine Impulstagung zur „Zukunft der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung in NRW“.

Die Beratenden in der IQ Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung in NRW stehen vor neuen Herausforderungen. In den IQ Anerkennungs- und Qualifizierungsberatungsstellen suchen vermehrt Menschen Rat, die über keine oder nur unvollständige Dokumente oder über informell oder non-formal erworbene Kompetenzen verfügen. Die klassischen Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren auf Basis einer Dokumentenprüfung greifen hier nicht. Daher ermöglichen unterschiedliche Verfahren die Ermittlung von Kompetenzen.

Sefer Öncel, Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit, stellte verschiedene Kompetenz­feststellungsverfahren der Bundesagentur für Arbeit, darunter das neue Projekt BKE – »Berufliche Kompetenzen erkennen« vor.

Ziel ist es, eine allgemein akzeptierte, anschlussfähige Bescheinigung über vorhandene fachliche Kompetenzen für Kunden und Kundinnen ohne verwertbare Dokumente und Zertifikate zu erstellen.

Joachim Ritzerfeld, Westdeutscher Handwerkskammertag (WHKT), präsentierte das Verfahren der Qualifikationsanalyse, das Anwendung finden kann, wenn Dokumentennachweise unvollständig oder fluchtbedingt nicht vorhanden sind. Außerdem stellte er das Projekt Prototyping Transfer vor, mit dem die Anzahl der durchgeführten Qualifikationsanalysen bundesweit erhöht sowie zuständige Stellen bei der Vorbereitung und Durchführung von Qualifikationsanalysen gezielt unterstützt werden sollen (www.anerkennung-in-deutschland.de/prototyping).

Annette Eschment, BBE Beraterin, agenturmark GmbH Hagen – Fachberatung berufliche Anerkennung:

„Die Zukunft der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung liegt (für mich) im Talent, den Ratsuchenden dazu zu verhelfen, in einer globalen Welt zuhause zu sein. Es geht nicht darum, ausländische Qualifikationen zu „verdeutschen“, sondern die Menschen dabei zu unterstützen, ihre beruflichen Kompetenzen auszubauen.“

 

Nurah Mazyek, Migrationsbeauftragte, Beratungsfachkraft Integration Point Kreis Heinsberg:

„Eine gelungene Arbeitsmarktintegration steht für mich ganz klar in meinem Tagesgeschäft: eine Mischung aus intensiven Gesprächen, Netzwerkarbeit mit anderen Akteuren und einer nachhaltigen Beschäftigung.“

 

Cemalettin Özer, MOZAIK, IQ Teilprojekte, Bielefeld:

„Integration bedeutet: Friedliches Zusammenleben; Arbeitsintegration gelingt über einen offenen und diskriminierungsfreien Einstieg. Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung ist zukünftig als Einwanderungsland wichtig.“

Über das Verbundprojekt „VALIKOM – Abschlussbezogene Validierung non-formal und informell erworbener Kompetenzen“ referierte Tina Rapp, WHKT (www.validierungsverfahren.de).

Für den Bereich des Hochschulzugangs Geflüchteter ohne Dokumentennachweise referierte Eva Schuhmann (o. r.) von uni-assist e.V. über die Begutachtung von internationalen Studienbewerbungen. Stephanie Janzen (Netzwerk Lippe, Teilprojekt IQ AnerkennungsKombi) erläuterte das mobile Kompetenzfeststellungsverfahren, das in ganz Nordrhein-Westfalen eingesetzt werden kann (www.iq-anerkennungskombi.de). Während der Mittagspause konnte das Verfahren von den Teilnehmenden ausprobiert und begutachtet werden.

Stefanie Schmoll, mobiles Beratungsteam, WHKT:  „Mein Leitmotiv der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung: Eine persönliche Beratung zur beruflichen Anerkennung und Qualifizierung informiert umfassend und verständlich. Gleichzeitig vermittelt sie auch eine Wertschätzung der unterschiedlichsten Kenntnisse und Fähigkeiten. Sie möchte die Migrantinnen und Migranten ermutigen, die aufgezeigten Wege zur Arbeitsmarktintegration zu gehen – auch wenn sie dazu einen langen Atem brauchen.“

Team Integration, AWO Familienservice Mönchengladbach, (v. l. n. r.) Elena Alexandrova, Vadim Bondartsuk, Maria Weihrauch, Mathias Leenen, Arfah Salourah: „Integration bedeutet für uns Vielfalt. Arbeitsmarktintegration gelingt, indem Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werden, die die Familie ernähren können. Eine Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung in der Zukunft ist schnell und unbürokratisch. Wegweiser der Arbeitsmarktintegration sind Ausbildung und Arbeitsplätze für alle. Die Begleitung der Geflüchteten sollte erst nach dem Spracherwerb erfolgen.“


Die Umsetzung der Anerkennungsgesetze in NRW und die Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt diskutierten am Nachmittag die Gäste Jan Kranefuss (Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales NRW Referat IV B 1, Einwanderungsmanagement, berufliche Anerkennung), Lukas Schmülling (Landesprüfungsamt für Medizin, Psychotherapie und Pharmazie, Abteilung: Gesundheitsfachberufe), Birgit van Tessel (Projektleiterin des mobilen Anerkennungsberatungsteams) und Marlies Peine (Unternehmerinitiative »wir zusammen«)  (v. l. n. r.).

Lukas Schmülling, Landesprüfungsamt für Medizin, Psychotherapie und Pharmazie, Düsseldorf:

„Es macht Sinn für die Pflegeberufe ein Kompetenzfeststellungsverfahren durchzuführen. Wir haben das gleiche Ziel: Uns ist die gesellschaftliche Integration und die Arbeitsmarktintegration wichtig. Gemeinsam mit dem IQ- Netzwerk haben wir modularisierte Anpassungslehrgänge für die Pflege konzipiert.“

Tina Rapp, Valikom, WHKT, Düsseldorf:

„Die Anerkennung von formalen ausländischen Berufsabschlüssen ist ein guter Weg, um Arbeitgebern das Können von Migranten und Geflüchteten transparent zu machen und dadurch ihre Integration in den Arbeitsmarkt zu fördern. Um Personen, die berufliche Kompetenzen auf non-formalen und informellen Wegen erworben haben, ein Dokument an die Hand zu geben, das bescheinigt, dass sie einen Beruf beherrschen, wird momentan im Projekt ValiKom ein Verfahren erprobt, mit dem beruflichen Kompetenzen zertifiziert werden können.“

Christoph Boldt, Dortmunder Weiterbildungsforum e.V., Dortmund:

„Integration bedeutet für mich gesellschaftliche Teilhabe durch Anerkennung und Nutzbarmachung beruflicher und menschlicher Potentiale, die in jedem Menschen unabhängig von sämtlichen Diversifikations- und Segregationskategorien auf verschiedenste Art und Weise existieren. Diese Potentiale offenzulegen und zu fördern sehe ich als bedeutenden Bestandtteil der gesellschaftlichen Hauptaufgabe Integration an. Anerkennungs-, Bildungs- und Berufsberatung kann hier helfen, die richtigen Wege gleich zu Anfang zu gehen.“

Produktionsdatum: 06.04.2017

Hintergrundinformation

Förderrunde IQ 2015–2018:

IQ Teilprojekt: Mobile Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung

Projektpartner: Westdeutscher Handwerkskammertag e.V. (WHKT), Volmerswerther Straße 79, 40221 Düsseldorf