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„Interkulturelle Kompetenz betrifft jeden“

10/2018 | Zu Besuch bei der IQ NRW-Fortbildung „Train the Trainer – Interkulturelle Grundsensibilisierung für Mitarbeitende in den Jobcentern der Bundesagentur für Arbeit in Nordrhein-Westfalen“: Das IQ NRW-Teilprojekt „Interkulturelle Kompetenzentwicklung und interkulturelle Öffnung in Jobcentern“ der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.) in Bottrop bildet Mitarbeitende aus Jobcentern zu Trainerinnen und Trainern für Interkulturelle Grundsensibilisierung aus.

Aus fünf Jobcentern in Mülheim, Essen, Recklinghausen, Münster und Steinfurt durchliefen Mitarbeitende, die in der Regel als Arbeitsvermittelnde oder in der Leistungsabteilung tätig sind, die Fortbildung zur Trainerin bzw. zum Trainer, mit dem Ziel, ihre Kolleginnen und Kollegen in den JobCentern für die Auseinandersetzung mit kulturellen Unterschieden und den daraus resultierenden Arbeits- und Verhaltensweisen zu sensibilisieren.

Insgesamt fünf Fortbildungsmodule wurden für die Jobcenter Trainerinnen und Trainer vom IQ NRW-Teilprojekt der G.I.B. entwickelt.

„Weil wir eine bedarfsorientierte Fortbildung wollten, haben wir gemeinsam mit den verantwortlichen Kolleginnen und Kollegen der jeweiligen Jobcenter relevante Themen herausgearbeitet und daraus die einzelnen Module der Trainerfortbildung entwickelt. So haben wir z. B. das Jobcenter Essen vorab zu einer Entwicklungswerkstatt eingeladen, in der wir bedarfsgerechte Fortbildungsbausteine zusammengestellt haben“, erklärt Ute Soldansky, Projektleitung des IQ Teilprojektes.

Zu den Fortbildungsinhalten gehören Themen wie: Interkulturelle Kompetenz, Diversity, Konfliktmanagement, kollegiale Fallberatung anhand von Praxisfällen mit interkulturellen Herausforderungen. Dabei erfolgt die Wissensvermittlung im Rahmen von interaktiven Übungen und Fachinputs, die die zukünftigen Trainer/-innen auch in ihren eigenen Schulungen einsetzen können. Im Rahmen des letzten Ausbildungsmoduls erstellen die Trainerinnen und Trainer unter Anleitung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des IQ Projektes ein bedarfsgerechtes Schulungskonzept. Nach Abschluss der Fortbildung setzen die zukünftigen Trainerinnen und Trainer die Fortbildung in den Jobcentern ihrer Region um. Ein sechstes Aufbaumodul für die ausgebildeten Trainerinnen und Trainer u.a. mit den Themen „Umgang mit Widerständen“ oder „Interkulturelle Kommunikation“ wurde zusätzlich geplant.

„Wir haben eine hochmotivierte Gruppe und damit sie ihre Erfahrungen teilen können, möchten wir zukünftig die ausgebildeten Trainerinnen und Trainer der Fortbildung über einen Austausch weiter begleiten“, so Ute Soldansky.
 


Das sagen die Teilnehmenden

„Kommunikation und Diversität sind die zentralen Themen“, sagt Teilnehmerin Yasemin Örlü-Köksal, Diplom-Kauffrau im JobCenter des Kreises Steinfurt. Einige der 200 Mitarbeitenden möchte sie im Team für das Thema Interkulturalität sensibilisieren. „Dafür haben wir ein Herkunftsquiz kreiert, an dem wir drei Tage gemeinsam arbeiten konnten, um es heute Vormittag im Rahmen der Fortbildung vorzustellen und auszuprobieren. In Steinfurt wurde ein ganz neues Personal-Modell erprobt. Menschen mit Migrationshintergrund, ausgebildet in Interkultureller Kompetenz wurden als Migrationsberatende im JC eingestellt. Dieses Modell hat viele Vorteile, insbesondere sind die sprachlichen Hürden für die Kundinnen und Kunden nicht mehr so hoch. Sie treffen hier auf Menschen, denen die unterschiedlichen Kulturen bekannt sind und die diese auch leben. Die Kolleginnen und Kollegen aus dem JobCenter sagen, dass sie froh sind, dass wir als Migrationsberatende an ihrer Seite sind. Ich finde, dass ich einen tollen Job gefunden habe. Die Menschen, die ich berate, fühlen sich aufgehoben und zeigen Vertrauen in meine Beratung.“
 

Aus dem Team der Migrationsberatenden des JobCenters Steinfurt, ist Zine el Abidine genau an der richtigen Stelle. An der Fachhochschule in Dortmund studierte er zunächst Maschinenbau.

„Ich kenne Deutschland, bin hier aufgewachsen und das ist für meine Arbeit als Migrationsberater perfekt. Dies ist die erste Fortbildung, bei der ich mich zu keiner Zeit gelangweilt habe.“
 

Dustin Tillmann arbeitet in der Leistungsabteilung des Jobcenters in Essen. Auch er ist begeisterter Seminarteilnehmer. „Die Theorie ist stark mit der Praxis kombiniert. Mit großem Fachwissen gehen die Trainer des IQ NRW-Teilprojektes hier auf unsere Bedürfnisse ein. Das Thema Interkulturelle Kompetenz im Berufsalltag ist sehr wichtig für meine Arbeit. Ich entwickle ein anderes Gespür für mein Gegenüber und breche meine alten Denkstrukturen auf, verändere meine Kommunikation.“

Dustin Tillmann studierte zunächst Physik und machte dann bei der Stadt Essen seinen Verwaltungsfachwirt. Er ist seit mehr als einem Jahr im JC Essen tätig. Der Austausch im Seminar mit den Kolleginnen und Kollegen helfe ihm enorm, seine eigene Wahrnehmung in Bezug auf Menschen mit Migrationshintergrund zu hinterfragen und zu verändern – insbesondere im Hinblick auf das zielführende Kundengespräch. Zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen des Integrationpoint Essen und der Arbeitsvermittlung startete er 2018 im Team mit den ersten eigenen Schulungen zur Interkulturellen Grundsensibilisierung.   

 

Abdelslam Norquine, Migrationsberater im Jobcenter Steinfurt hat Jura studiert und fühlt sich daher sehr gut qualifiziert.

„Ich denke, dass ich geflüchtete Menschen kompetent beraten kann. Begleitender Spracherwerb und Qualifizierung haben meines Erachtens für die Integration in den Arbeitsmarkt Priorität.“

 

 

Produktionsdatum: 10/2018 | Fotos: WHKT

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Förderrunde IQ 2015–2018:

IQ Teilprojekt: Interkulturelle Kompetenzentwicklung und interkulturelle Öffnung in Jobcentern in NRW

Teilprojektpartner: Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung mbH (G.I.B), Im Blankenfeld 4, 46238 Bottrop