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„Sprachcoaching ist Hilfe zur Selbsthilfe – Das Bielefelder Modell“

Sprachcoaching ist ein freiwillig abrufbares Angebot im Rahmen des Teilprojektes der AWO Bielefeld im IQ Netzwerk NRW. Zeitbegrenzt, etwa in einer wichtigen beruflichen Entwicklungsphase, begleiten Sprachcoaches zugewanderte Menschen zum Beispiel während des Anerkennungsprozesses. Gemeinsam mit ihren Klientinnen und Klienten erkunden sie den jeweiligen Sprachbedarf und unterstützen bei der Verbesserung der kommunikativen Handlungsfähigkeit. Die Sprachcoaches trainieren mit ihren Klientinnen und Klienten exemplarisch wichtige Sprachhandlungen aus dem beruflichen Alltag, unterstützen beim Umgang mit Fachtexten oder bei der Prüfungsvorbereitung. Sie beraten sie bei eigenverantwortlichem Selbstlernen und besserer Nutzung vorhandener Ressourcen und stärken sie so darin, ihr sprachliches Vorankommen auf dem weiteren Berufsweg selbst in die Hand zu nehmen.


Sprachcoaching des IQ Teilprojektes der AWO Bielefeld wird derzeit über zwei Schienen angeboten. Zum einen findet es direkt im Betrieb statt und zum anderen flankiert es verschiedene berufsbezogene Sprachkurse der Sprachkursträger im Raum Bielefeld. Mit Erfolg: Das IQ Sprachcoachingzentrum in den Räumen des Umweltzentrums in Bielefeld wird seit März 2017 gut besucht.

 

Flankierendes Sprachcoaching im Sprachchoachingzentrum

Konkret kann man sich das so vorstellen: In den Sprachkursen, die im Rahmen der Deutschförderverordnung auch Berufssprachkurse genannt werden, wird für den Lernprozess Unterstützung gebraucht. So finden die Teilnehmenden außerhalb der regulären Kurszeiten den Weg in das Sprachcoachingzentrum in der August-Bebel-Straße in Bielefeld. Beim Sprachcoaching geht es in diesem Fall darum, eigene Lernstärken und die eigene Lernmotivation zu fördern, meint Cathrin Thomas.



Anna Tesznar-Dombrowski freut sich über den Erfolg ihrer Klientinnen und Klienten:

„Gemeinsam mit jeder Klientin bzw. jedem Klienten versuche ich Wege zur Stärkung des Selbstlernprozesses zu finden und geeignete Lernstrategien zu erarbeiten. Im Laufe des gesamten Beratungsprozesses wird jede Teilnehmende bzw. jeder Teilnehmende intensiv von mir begleitet. So stehe ich per E-Mail oder telefonisch auch zwischen den einzelnen Coachingsitzungen zur Verfügung. Auf diesem Wege können viele wichtige Fragen direkt geklärt werden.“

Als Leitlinie ihrer Beratung nennt sie „Hilfe zur Selbsthilfe“ und verweist damit auf das Sprachcoaching nach dem Bielefelder Modell. Sprachcoaching sollte demzufolge vor allem die effektive Fortsetzung des Sprachlernprozesses nach dem abgeschlossenen Coaching durch die Klientin bzw. den Klienten selbst provozieren.

Sprachcoaching im Betrieb

Beim betrieblichen Sprachcoaching dagegen werden Sprachlernende direkt in einem Unternehmen nahe Bielefeld, der Kartoffelmanufaktur Pahmeyer, unterstützt. Das Unternehmen beschäftigt in seiner Produktion zahlreiche Menschen mit nicht-deutscher Muttersprache und setzt das Sprachcoaching begleitend zu einem firmeninternen Sprachkurs ein. Entstanden ist das Angebot über die Anfrage des Betriebes zu einem Kurskonzept zur Förderung der deutschen Sprache der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das direkt an die Bedürfnisse des Betriebes angepasst werden sollte. Dabei stellten sich Fragen wie: Was braucht ein Betrieb, was brauchen Mitarbeitende im Betrieb und wie muss ein Coaching dann aussehen?

Ziel ist dabei, durch das Coaching die Menschen zu unterstützen, Selbstbewusstsein auf dem beruflichen Weg zu entwickeln.


Cathrin Thomas ist die dort eingesetzte Sprachcoachin. Sie beschreibt ihre Arbeit so:

„Ich habe einen Baukasten im Kopf, aus dem ich in der Kürze der Zeit Angebote hervorholen kann, wenn ich in ein Unternehmen gehe.

Ich ermittle zunächst den Bedarf des Unternehmens und gleiche diesen mit den Bedürfnissen der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab. Im Anschluss daran begebe ich mich gemeinsam mit der Klientin bzw. dem Klienten auf den ‚Sprachlernweg-Deutsch‘.

Dabei stehen immer die sprachlichen Inhalte der Arbeit und der Arbeitsprozesse im Zentrum des Sprachcoachings.“


Damit orientiert sich Cathrin Thomas an der Klientin bzw. am Klienten, damit diese bzw. dieser handlungsorientiert lernen kann. „Die Eigenmotivation muss dann nicht mehr mühsam geweckt werden, sondern versteht sich von selbst. Wichtig ist auch das Setting: Der Lernprozess findet nicht außerhalb, sondern immer im Betrieb statt. So wird die Coachin bzw. der Coach gemeinsam mit den Lernenden ein Teil der „Betriebssprache“ und kann am lebendigen und kontinuierlich fortlaufenden Lernprozess im realen Umfeld teilnehmen und diesen gemeinsam mit den Teilnehmenden steuern.“

Produktionsdatum: 04/2017 | Fotos: WHKT

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Förderrunde IQ 2015–2018:

IQ Teilprojekt: Integriertes Fach- und Sprachlernen und individuelle berufsbezogene Deutschförderung

Teilprojektpartner: AWO Kreisverband Bielefeld e. V. Mercatorstr. 10, 33602 Bielefeld