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Anerkennung des Berufsabschlusses zum Elektroniker: Durch handwerkliches Geschick und technisches Verständnis zur Gleichwertigkeit

11/2018 | Ilhan C. und Tarek K. haben es geschafft. Ende 2018 erreichten sie über das Anerkennungsverfahren ihre Gleichwertigkeit als Elektroniker. Auf dem Weg  zur Anerkennung ihres Berufsabschlusses aus dem Ausland beriet und begleitete die Teilnehmenden das IQ NRW Teilprojekt „Anpassungs- und Nachqualifizierungen in den Berufen des dualen Systems“ gemeinsam mit der Elektro-Innung Düsseldorf. 

Ein erster Schritt zur „Gleichwertigkeit“ des im Ausland erworbenen Berufsabschlusses war es, einen Antrag auf Anerkennung der Ausbildung bei der „Zuständigen Stelle“ zu stellen (Handwerkskammer vor Ort oder IHK-FOSA in Nürnberg, zentrale Stelle). Im Anschluss daran folgte für Ilhan C. und für Tarek K. ein Bescheid über eine „teilweise Gleichwertigkeit“ von der zuständigen Handwerkskammer in Düsseldorf. Entsprechend der festgestellten Unterschiede in Bezug auf ihre Ausbildung und ihrer bisherigen Berufspraxis wurden sie im Rahmen des Ausbildungsangebotes der Innung nachqualifiziert. Gemeinsam mit sechs weiteren Teilnehmenden des IQ NRW Teilprojektes besuchten sie zwischen zwei- und sechswöchige Vollzeit-Module bei der Elektro-Innung  Düsseldorf (www.elektro-duesseldorf.de/ausbildung-weiterbildung).

Nach den absolvierten Kursen stellten die Teilnehmenden einen Folgeantrag auf Anerkennung bei der jeweilig zuständigen Kammer. Damit war der Weg in die Gleichwertigkeit geschafft. Die Absolventen der IQ Nachqualifizierung sind dann rechtlich den deutschen Gesellen des jeweiligen Elektro-Handwerks gleichgestellt.
 

Voller Lob und Anerkennung im ganz wörtlichen Sinn ist Sascha Richter, Ausbildungsleiter des Berufsbildungs- und Technologiezentrum der Elektro-Innung Düsseldorf. „Wir müssen über den Tellerrand hinausschauen, der Fachkräftemangel ist präsent“, meint er. „Diese Gruppe ist für uns eine tolle Erfahrung. Mich überzeugt vor allem die Einstellung der Teilnehmenden, sie fragen und hinterfragen. Daher motivieren mich Fortbildungen mit Erwachsenen und so möchte ich weiterhin gemeinsam mit dem IQ Netzwerk NRW diese Nachqualifizierungen durchführen. Allerdings war es auch nicht immer leicht für die meisten Teilnehmenden der Maßnahme. Die vermittelten Inhalte und die deutschen Fachbegriffe waren echtes Neuland“, so Sascha Richter. Mit ins Boot gehörten nach seiner Ansicht auf dem Weg der erfolgreichen Anerkennung auch die Arbeitgebenden. „Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden arbeiteten in der Zeit der Nachqualifizierung als Hilfskräfte in einem Unternehmen. Sowohl für die Arbeitgebenden als auch für Ilhan C. und Tarek K. ergaben sich über die Nachqualifizierung und die daraus folgende Anerkennung neue berufliche Perspektiven, denn aus der Hilfskraft wird eine Fachkraft, die die Arbeitsabläufe und das Unternehmen bereits sehr gut kennt. Die Teilnehmenden gemeinsam mit der Ausbildungsgruppe zu qualifizieren ist erfolgreich, da auch Auszubildende beispielsweise das Programmieren lernen müssen.“

 

Ilhan C. wurde in der Türkei geboren und besuchte das Industriegymnasium in Trabzon am Schwarzen Meer, bevor er als Elektriker arbeitete. Mit seiner Familie lebt er seit 2002 in Wuppertal. Bis jetzt arbeitete Ilhan in der Autoindustrie.

„Ich bin ein guter Handwerker und vielleicht habe ich in meinem jetzigen Betrieb die Möglichkeit als Elektriker zu arbeiten. Den ersten Kurs für die Nachqualifizierung habe ich in Wuppertal gemacht und nun bin ich in Düsseldorf. Ich muss mehr Programmieren lernen, aber ich verstehe das alles sehr gut. Leider schreibe ich nicht so gut auf Deutsch. Ich habe vieles wiederholt und neue technische Systeme wie z. B. Hausinstallationen und elektrische Sprechanlagen kennengelernt. Ich bleibe in meinem jetzigen Unternehmen, denn wir brauchen zukünftig einen Elektroniker. Das ist eine gute Chance für mich."

 

Tarek K. ist in Tunesien geboren und hat dort Elektrotechnik studiert. In Tunis war er Teamleiter in der Automobilbranche für elektronische Karten, bevor er nach der Revolte 2012 gemeinsam mit seiner Frau nach Deutschland kam. Er ist den langen Weg der Anerkennung erfolgreich gegangen. Zunächst über die IHK FOSA und dann über die zuständige Stelle der Handwerkskammer Düsseldorf wurde ihm die Nachqualifizierung der Elektroinnung empfohlen.

„Ich musste einige Module wiederholen. Aber nun bin ich sehr stolz auf mich und gleichzeitig auch etwas ungeduldig, da ich noch nicht gut genug Deutsch spreche. Ich habe viele neue technische Wörter gelernt, die ich für meine Ausbildung brauche. So schnell wie möglich möchte ich arbeiten und den Lebensunterhalt als Elektroniker verdienen. Ich bin sehr froh, dass mir Frau Schmoll (Qualifizierungsberatung des IQ NRW Teilprojektes beim WHKT) geholfen hat. So habe ich eine Perspektive und ich werde nicht aufgeben, bis ich das Ziel erreicht habe.“


Produktionsdatum: 11/2018 | Fotos: WHKT
 

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Förderrunde IQ 2015–2018:

IQ Teilprojekt: Anpassungs- und Nachqualifizierungen in den Berufen des dualen Systems

Teilprojektpartner: Westdeutscher Handwerkskammertag e.V. (WHKT), Volmerswerther Straße 79, 40221 Düsseldorf