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„Man muss Erfolge feiern, das macht Mut.“ – IQ NRW Teilprojekt ActNow! – Entrepreneurship für Geflüchtete feiert ersten Meilenstein in Köln


Warum Entrepreneurship Training für Geflüchtete? Unternehmerisches Denken und Handeln ist für alle Wege und Formen der Beschäftigung relevant und eröffnet berufliche Perspektiven. Im Entrepreneurship Training des IQ NRW Teilprojektes ActNow! entdecken die Teilnehmenden ihre Kompetenzen, ihre Kreativität und ihr analytisches Denken.

Foto: ActNow! Das Team von ActNow! von links Rosemary Buch, Ágúst Pétursson, Julia Siebert und Ingibjörg Pétursdóttir vor dem Bild des Künstlers Menem Zantout: “ Die Zusammenkunft“

Das Team von ActNow!: Rosemary Buch, Ágúst Pétursson, Julia Siebert und Ingibjörg Pétursdóttir (v.l.n.r.) vor dem Bild „Die Zusammenkunft“ des Künstlers Menem Zantout

Das IQ Teilprojekt will Personen mit Fluchterfahrung, die bereits unternehmerisches Potenzial erkennen lassen, durch gezielte Förderung Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt eröffnen. ActNow! ist derzeit in Köln, Wuppertal und Dortmund aktiv.

An den Workshops können (ehemalige) Geschäftsleute und Fachleute, Migranten und Migrantinnen aus den Bereichen IT Dienstleistungen, Handwerk, Handel, Kunst und Kultur sowie aus vielen anderen Bereichen teilnehmen. Insbesondere Frauen sollen zukünftig gezielter angesprochen werden.

Die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, nach einem Erstgespräch über ein Training, eine individuelle Qualifizierung oder die Teilnahme an einem Workshop – immer mit ergänzender Unterstützung und Begleitung – in den Gründungsprozess bei STARTERCENTERN einzutreten oder auch in einen Job, ein Praktikum oder ein Qualifizierungsangebot zu gehen.

Die zentralen Inhalte der genannten Angebote sind die Zieldefinition, Bearbeitung von Geschäftsideen, Präsentations- und Kommunikationskompetenzen, Systemwissen Deutschland, gründungsbezogenes Deutsch, Kompetenzfeststellungen, Exkursionen sowie Gastvorträge.

07.06.2017: Erster Meilenstein nach einem sechswöchigen Intensiv-Training in Köln

Das ist der Tag der Gruppe. Sechs Teilnehmende stellen erstmals ihre Ideen zur Gründung in einer Präsentation vor. Neben dem Team von ActNow! sind auch Andrea Haas vom Jobcenter sowie Amanuel Amare und Abraham Nida von der Organisation Migrafrica dabei.

Ali D: „Never give up.“

Foto Ali D.
Foto Ali D. während der Präsentation

Ali D. während der Präsentation seiner Idee zur Gründung.

„Jetzt will ich mit einem eigenen Laden neu starten. Meine Produkte sind gesünder. Sie schmecken auch besser, denn ich verwende nur wenig Zucker.“

Ali D. bringt als Experte für syrische Spezialitäten in Damaskus 30 Jahre Erfahrung mit. Zukünftig möchte Ali D., der seit drei Jahren in Deutschland lebt, einen Laden mit syrischen Süßwaren eröffnen. Mehr als 500 Produkte hat er im Angebot.

Shaker A.: „Alte Gebäude brauchen den Trockenbau.“

Foto Shaker A.
Foto: Shaker A. präsentiert seine Gründungsidee

Shaker A. präsentiert seine Gründungsidee

Shaker A., 36, hat in Syrien 17 Jahre als Trockenbauer gearbeitet. Er sieht seine Zukunft in einer eigenen Firma. „Ich kann etwas Neues aussehen lassen als wäre es alt. Das mögen die Menschen.“ Als Subunternehmer für bestehende Bauunternehmen könnte ein erster Start schon in diesem Jahr gelingen.

„Meine Erfahrung und Kenntnisse der arabischen Tradition im Trockenbau können mir viele Türen öffnen. Es gibt keine arabischen Firmen im Trockenbau. Es gibt aber viele arabische Leute die Aufträge an arabisch sprechende Firmen geben möchten.“

Teki Z.: „Meine Produkte sind mit Liebe und von Hand gemacht.“

Foto: Teki Z.
Foto: Teki Z. präsentiert seine Gründungsidee

Teki Z. während der Präsentation

Teki Z. ist in Thangkor, Tibet aufgewachsen. Er fertigt von Hand kleine feine „Momos“ (Teigtaschen) und Shapale (gebratene Teigtaschen). In Tibet werden Momos für den Besuch von Freunden gereicht. „Meine Produkte sind nach alten Rezepten hergestellt, sogar vegetarisch, gesund und modern.“ In Köln gibt es nur ein tibetisches Restaurant, daher wird sein Imbiss etwas Besonders. „Köln ist eine multikulturelle und offene Stadt und die Kölner gehen gerne aus“, meint Teki Z. Er plant sein Business „aroBopa“ (Hallo Tibet) erst einmal alleine. Mit Mundpropaganda und einem Internetauftritt als Marketinginstrument will er überzeugen.

Mohmmadreza Y.: Zukunft im Export und Import

Foto: Mohmmadreza Y. mit Sohn (l.)

Mohmmadreza Y. gemeinsam mit seinem Sohn (l.)

Foto: Mohmmadreza Y. präsentierte gemeinsam mit seinem Sohn seine Gründungsidee.

Mohmmadreza Y. präsentierte gemeinsam mit seinem Sohn seine Gründungsidee.

Mohmmadreza Y. aus dem Iran sieht die Zukunft im Export und Import. „In meiner Heimat habe ich 25 Jahre lang als Public Relations Manager in einem großen Unternehmen gearbeitet.“ Zusammen mit seinem sechzehnjährigen Sohn, der das Abitur macht, stellte er seine Ideen vor: „Der Iran importiert jährlich Kosmetika für 2,1 Milliarden Dollar. Deutsche Produkte haben einen guten Ruf und die Nachfrage an deutschen Produkten im Iran ist sehr hoch. Somit steht der Iran auf Platz sieben der weltweiten Nachfrage nach Kosmetika. Meine Vorteile für ein erfolgreiches Business sind u.a. meine vielen Kontakte im Iran.“

Evar S.: Vision einer eigenen Manufaktur in Deutschland

Foto: Evar S.
Foto: Evar S. während der Präsentation seiner Vision

Evar S. während der Präsentation seiner Vision

Evar S. aus dem Iran stellt selbst Schmuck her. Er arbeitete 25 Jahre in einer Gold-Gießanlage und führte 12 Jahre ein eigenes Unternehmen, in dem er Goldprodukte aus Hongkong, Thailand und China nach Dubai exportierte. Filigrane iranische Goldschmiedekunst ist sein Handwerk.

Insbesondere das Tierdesign hat es ihm angetan. Das ist sein Alleinstellungsmerkmal für die Vision einer eigenen Manufaktur in Deutschland.

Mohammad K. und seine Frau Deljin M.: Gemeinsam mit Kindern für Kinder Trickfilme und Kinderbücher produzieren

Foto: Mohammad Reza Kashef und seine Frau Montevassel Deljin
Foto: Mohammad K. und seine Frau Deljin M. stellen ihre Idee vor

Mohammad K. und seine Frau Deljin M. stellen ihre Idee vor

Der Trickfilmer, Zeichner und Regisseur Mohammad K. und seine Frau Deljin M., Kunstmalerin und Illustratorin, aus dem Iran träumen von einem Animationsfilmstudio. Sie möchten gemeinsam mit Kindern für Kinder Trickfilme und Kinderbücher produzieren. „In Deutschland gibt es wenig Animationsfilme mit transnationalem Erfolg.“ Seit 17 Jahren kennt Mohammad K. die Branche. Workshops für Kinder im Alter zwischen 13 und 16 Jahren sind in der Planung. Mohammad möchte bald mit zwei Pilotprojekten in Köln und Oberhausen starten.

Foto: Julia Siebert, Projektleitung IQ Teilprojekt


Julia Siebert, Projektleitung IQ Teilprojekt:
Heute wird deutlich sichtbar, dass wir es mit gestandenen Unternehmerpersönlichkeiten zu tun haben, die so viel Fachlichkeit und Erfahrung mitbringen. Sie wissen, was sie können und was sie wollen. Das motiviert ungemein. Wir können ihnen helfen, das in unsere Sprache und Strukturvorlagen zu bringen. Ihre Marktbeobachtung und -analyse haben sie längst gemacht.

Foto: Rosemary Buch, Trainerin IQ Teilprojekt


Rosemary Buch, Co-Trainerin im IQ Teilprojekt:
Eine ernstgemeinte Auseinandersetzung mit den Teilnehmenden und ihren Geschäftsideen lohnt sich. Es ist beeindruckend, wie viel Ausdauer und Mut sie mitbringen, Menschen in einer für sie ungewohnten sprachlichen und kulturellen Umgebung von ihrem unternehmerischen Potential und ihrer fachlichen Expertise zu überzeugen.

Foto: Evar S., Andrea Haas vom Jobcenter Köln/Chance+ gemeinsam mit Ali D. (v.l.n.r.)

Evar S., Andrea Haas vom Jobcenter Köln/Chance+ gemeinsam mit Ali D. (v.l.n.r.)

 

Foto: Trainer Ágúst Pétursson überreicht die Zertifikate. Nach sechs Wochen intensiver Arbeit mit einer Menge „Hausaufgaben“ möchten die Teilnehmenden zeigen, was sie bisher erarbeitet haben und wissen, ob ihre Ideen realistisch und umsetzbar sind. Dazu gehört neben den Inhalten vor allem eine realistische Kalkulation.

Trainer Ágúst Pétursson überreicht die Zertifikate. Nach sechs Wochen intensiver Arbeit mit einer Menge „Hausaufgaben“ möchten die Teilnehmenden zeigen, was sie bisher erarbeitet haben und wissen, ob ihre Ideen realistisch und umsetzbar sind. Dazu gehört neben den Inhalten vor allem eine realistische Kalkulation.

Foto: Amanuel Amare (l.) und Abraham Nida  (Migrafrica) gemeinsam mit Julia Siebert

Amanuel Amare (l.) und Abraham Nida (Migrafrica) gemeinsam mit Julia Siebert

Migrafrica, ein lokaler Kooperationspartner des Trägervereins CHANCENGLEICH in Europa e.V. in Köln, agiert als kommunikatives Bindeglied zwischen Institutionen und Flüchtlingen. Sie fördern Initiativen und Ehrenamtliche bei der Flüchtlingshilfe und beraten Migrationsorganisationen. Obwohl es viele Integrationsagenturen mit guten Angeboten gibt, wie z.B. Deutschunterricht, Aufklärungsarbeit bezüglich Sozialsysteme, Kultur, Bildung, Demokratieverständnis usw., werden diese von den Migrantinnen und Migranten häufig nicht belegt. 

Aufgrund fehlender Sprach- und Kulturkenntnisse fällt es ihnen oft schwer, die geeigneten Integrationsmaßnahmen unter der Vielzahl an Angeboten der verschiedenen Agenturen zu finden. Migrafrica koordiniert diese Angebote für junge Migrantinnen und Migranten und sorgt dafür, passende Maßnahmen für individuelle Bedürfnisse zu finden.

Die ersten Begegnungen und Gespräche der jungen Migranten werden von Migrafrica begleitet und ggf. gedolmetscht. Weiterhin können ausländerrechtliche Fragen der jungen Migrantinnen und Migranten geklärt und sie durch Rechtsberatungen unterstützt werden.

Ferner unterstützt Migrafrica Migrationsorganisationen durch diverse Professionalisierungs- und Qualifizierungsmaßnahmen, welche im Rahmen von nationalen oder europäischen Projekten stattfinden. www.diasporanrw.net (Projektförderung, Fundraising)


Produktionsdatum: 06/2017 | Fotos: WHKT

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IQ Teilprojekt: ActNow! – Entrepreneurship Training für Flüchtlinge und Asylsuchende

Teilprojektpartner: CHANCENGLEICH in Europa e.V., Hörder Bahnhofstraße 6, 44263 Dortmund

Ansprechpartnerinnen: Ingibjörg Pétursdóttir: 0231/28676640, petursdottir(at)ch-e.eu, Julia Siebert: j.siebert(at)ch-e.eu

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