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Berufsmesse für zugewanderte Frauen in Köln

10/2019 | Das Projekt CHANCE+ des Jobcenter Köln hat erstmals eine Berufsmesse für zugewanderte Frauen organisiert, auf der auch Teilprojekte des IQ Netzwerks NRW mit ihren Informationsangeboten vertreten waren. Über 200 Teilnehmerinnen nutzten die Beratungsangebote oder lernten potenzielle Arbeitgebende kennen. Die Resonanz war so gut, dass es im nächsten Jahr eine Wiederholung geben könnte. 

Das IQ Netzwerk NRW war gleich mit vier Teilprojekten bei der Berufsmesse am Start, um zugewanderte Frauen auf ihrem Weg in die berufliche Anerkennung und eine qualifikationsadäquate Beschäftigung zu unterstützen. So hat die mobile Anerkennungsberatung des Westdeutschen Handwerkskammertages individuell Fragen zu den Verfahren und Möglichkeiten der Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen beantwortet, das Projekt von Migrafrica e.V. hat angehende Gründerinnen informiert, die TH Köln hat ihr Qualifizierungsangebot für Soziale Arbeit und Kindheitspädagogik vorgestellt und der Verein MA.i e.V. hat sich mit der Förderung der Beschäftigung von Migrantinnen präsentiert.
 

Neues Veranstaltungskonzept in besonderem Ambiente

Es war ein neues Veranstaltungskonzept in einem denkmalgeschützten ehemaligen Fabrikgebäude in Köln-Kalk: CHANCE+, ein Beratungsnetzwerk des Jobcenter Köln, bot zum ersten Mal eine Messe für den Berufseinstieg zugewanderter Frauen an. „Das ist ein Novum für geflüchtete Frauen in Köln“, berichtet Projektleiterin Silke Martmann-Sprenger. Und zwar eines, das gut angenommen wurde: Über 200 Teilnehmerinnen besuchten die Jobmesse KICK OFF IN DEN JOB am 9. Oktober. „Darauf sind wir wirklich stolz“, sagt Martmann-Sprenger.

 

Viele Beratungsangebote an einem Ort

Statt von einem Ort zum anderen geschickt zu werden, fanden die Frauen in den gut besuchten Ausstellungsräumen verschiedenste Beratungsangebote und Arbeitgebende an einem Ort. Die Uniklinik Köln, die Stadt Köln, der Pflegedienstleister CMS, die Sozial-Betriebe-Köln sowie Gastgeber und CHANCE+ Partner, die IB West gGmbH, informierten über Praktika oder Ausbildungen, die TH Köln zeigte Studienmöglichkeiten auf.

Viele Frauen ließen sich nach einem Styling für ein Bewerbungsfoto porträtieren und diskutierten über ihre beruflichen Visionen: wie der Start in die Selbständigkeit gelingt, wie sie im Bewerbungsgespräch auftreten oder wie sie ihre Abschlüsse anerkennen können, zum Beispiel. Wenn es Sprachprobleme gab, halfen Dolmetscherinnen und auf die Kinder warteten im ersten Stock Erzieherinnen.

 

Hand in Hand

Nicht nur die Messe, auch das Projekt CHANCE+ ist in Deutschland besonders: Seit elf Jahren koordiniert das Jobcenter Köln als einziges bundesweit ein rechtskreisübergreifendes Projekt des Europäischen Sozialfonds mit dem Ziel, geflüchtete Menschen in Schule, Ausbildung und Arbeit zu integrieren. „Diese Menschen sollen eine realistische Chance erhalten, unabhängig von Transferleistungen zu werden“, erklärt die Projektleiterin. Gelingen soll das durch Intensivberatungen in den sieben Teilprojekten. Oft begleiten die Beraterinnen und Berater die Geflüchteten über einen langen Zeitraum. All das passiert Hand in Hand mit den Kolleginnen und Kollegen des Integration Point, die auf der Messe ebenfalls vertreten waren.

 

In Kiew leitete Irina die Presseabteilung einer Rentenbehörde. „Viel Verantwortung, viel Kommunikation“, wie sie erwähnt. „Nach Deutschland bin ich vor knapp drei Jahren gekommen. Um zu arbeiten, um mich weiterzuentwickeln. Ich habe dann von IQ und dem Angebot der Otto Benecke Stiftung in St. Augustin für Betriebswirte erfahren. Das Arbeitsmarktcoaching hat einen hohen Praxisbezug. Ich habe gelernt, wie Arbeitgebende in Deutschland ticken und was ich tun muss, um diese mit meinen Kompetenzen zu überzeugen.“ Irina wünscht sich in der Region Köln-Bonn einen Praktikumsplatz im Bereich Betriebswirtschaft/Außenhandel. Beste fachliche Voraussetzung bringt sie mit. Zudem spricht sie neben Deutsch und Russisch, Ukrainisch und Englisch.

2018 hat sich Ksenia vom Ural in Russland zu ihrer neuen Heimat nach Bonn in Deutschland aufgemacht. Schnell hat sie Deutsch gelernt und mindestens genauso schnell gelernt, dass trotz ihres BWL-Abschlusses und ihrer beruflichen Erfahrungen im Bankensektor, der deutsche Arbeitsmarkt anders funktioniert.

„Die IQ Qualifizierung bei der Otto Benecke Stiftung hat mir vor allem gezeigt, was und wie ich mich Arbeitgebenden präsentieren sollte. Über das Feedback wurde mir klar, dass ich sehr viel selbstbewusster werden muss. Eine große Herausforderung.“ Auch Ksenia ist in der Region Köln-Bonn auf der Suche nach einem Berufseinstieg in Deutschland über ein Praktikum. Insbesondere der Bereich Personalwesen liegt ihr dabei am Herzen.

Traumberufe: Schneiderin, Ärztin, Model

Gute Chancen erhofft sich Falaknaz Raschidie: Die 40-Jährige hat auf der Messe an ihrem Traum gefeilt, eine eigene Schneiderei zu eröffnen. Siebzehn Jahre lang hat die Afghanin als Schneiderin gearbeitet. Seit drei Jahren lebt sie mit ihren fünf Kindern in Deutschland, hat Deutschkurse besucht, bei Schneidern und in einem Restaurant gearbeitet. „Ich könnte jetzt schon eine Stelle finden“, ist sie sicher. Doch um einen eigenen Laden zu gründen, müsse sie mehr über Buchhaltung wissen und auch Männerschnitte kennen. „Deshalb will ich weiterlernen.“ Aus diesem Grund ist sie zur Messe gekommen – und hat dort eine Frau kennengelernt, die ihr helfen will, eine Ausbildung zu beginnen. Fündig wurden auch andere Frauen, jede mit ganz verschiedenen Qualifikationen und Wünschen. Eine Frau will Stylistin werden, eine andere sieht sich in einigen Jahren als Hebamme, wieder andere streben Tätigkeiten als Laborassistentin, Ärztin, Architektin, Schauspielerin oder Model an. Auch die Deutschkenntnisse unterschieden sich stark. „Wir versuchen, für jede ein passendes Angebot zu finden“, sagt Martmann-Sprenger.

Hanne Cürten von den Sozial-Betrieben-Köln etwa hat mit einen niedrigschwelligen Angebot Frauen umworben, eine Karriere als Pflegerin zu starten. Wer noch kein gutes Deutsch spricht, könne mit einem Praktikum anfangen, berichtet die Leiterin der Initiative IN-JOBS-KÖLN. „Eine Frau, die heute hier ist, arbeitet jede Woche 20 Stunden bei uns und wiederholt nebenher ihren Schulabschluss“, berichtet sie. Das Ziel: „Wir wollen sie fit machen für eine Ausbildung bei uns.“ Mehrere Frauen haben ihre Telefonnummern bei ihr gelassen. „Das ist toll, denn genau solche Frauen brauchen wir“, so Cürten.

Wer dagegen einen Ausbildungsplatz bei der Stadt Köln ergattern möchte, muss kein bestimmtes Sprachniveau nachweisen. Allerdings müssen alle Bewerberinnen den Einstellungstest meistern. "Wir beraten Menschen mit Fluchthintergrund individuell und konnten so schon viele in Ausbildungen bringen", berichtet Nikola Fischer von der Ausbildungsleitung der Stadt Köln.

 

Austausch und Synergien

Nicht nur für die Frauen ist es hilfreich, an einem einzigen Ort viele wichtige Infos zu erhalten und neue Kontakte zu knüpfen. Auch die Aussteller, wie das Arbeitsprojekt des Kooperationspartners IB West, profitieren davon: „Uns begeistert besonders der Austausch mit Arbeitgebenden, Beraterinnen oder dem Jobcenter“, sagt Betriebsleiterin Irmgard Dick.

 

Gute Aussichten

„Es ist toll, wie viele gekommen sind“, sagt Birgit Jung, Mitglied der Geschäftsführung des Jobcenter Köln. Ihr ist wichtig, dass Frauen mit Migrationshintergrund besondere Unterstützung auf dem Weg in Ausbildung und Beruf erhalten. Daher sieht sie gute Chancen, dass die Messe im kommenden Jahr wieder stattfinden wird.

Infos und Kontakt: http://www.netzwerk-chance.de

 


Produktionsdatum: 10/2019 | Fotos: WHKT

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IQ Teilprojekt: Koordinierung

Teilprojektpartner: Westdeutscher Handwerkskammertag e.V. (WHKT), Volmerswerther Straße 79, 40221 Düsseldorf