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Von Teheran nach Heiligenhaus

05/2021 | Niyousha ist 21 und seit knapp drei Jahren in Deutschland. Ihr Wohnort: Heiligenhaus. Eine Kleinstadt, umgeben von Wuppertal, Essen und Düsseldorf. Ihr Beruf: Zahntechnikerin im zweiten Lehrjahr. Ihre Wünsche: Die Gesellenprüfung bestehen, als Zahntechnikerin arbeiten und einmal jährlich zur Familie reisen dürfen.

Vaterstolz

Im Oktober 2018 ging’s los. Niyousha S. und ihre sechs Jahre ältere Schwester machen sich in Teheran auf. „Gepäck hatten wir wenig, Hoffnungen schon, ein Flugticket auch und lange geplant sowieso“, erinnert sie sich mit einem sympathischen Lächeln. Am schwierigsten sei ihnen der Abschied von den Eltern gefallen, erinnert sie sich. „Mein Vater war anfangs strikt dagegen. Aber er hat uns dann doch vertraut, uns reisen lassen und ist heute stolz auf uns. Auf das, wie wir es organisiert und was wir bereits daraus gemacht haben.“ Und um wirklich sicher zu gehen, waren 2019 Niyoushas Eltern dann auch beide hier. In Deutschland. Zu Besuch. „Danach war mein Vater nicht nur beruhigt, er hat auch seine Einstellung ein wenig geändert. Er hat gesehen, wie wir leben, was wir machen und dass wir uns in Teheran nicht so hätten verwirklichen können. Der Beruf, ein Studium – die Freiheit selbst zu entscheiden.“

Deutschland ist schwer

Nach ihrer Ankunft in Deutschland haben Niyousha und ihre Schwester zunächst vor allem viel Deutsch gelernt.

„Die Sprache, die Kultur, was man beruflich lernen kann und wie man in Deutschland arbeitet. Wir haben auch gelernt, wofür es alles Formulare gibt und wer für was zuständig ist. Und das ist längst nicht alles“, hebt sie hervor.

„Deutsch ist schwierig und Deutschland zu verstehen erst recht. Die Menschen sind nett, freundlich – keine Frage. Und wir hatten auch gute Unterstützer. Der Weg ist allerdings lang. Meiner Schwester und mir ist einiges begegnet, was uns fremd und schwierig vorgekommen ist. Die Kulturen sind eben sehr verschieden. Es braucht daher Zeit, nicht nur die Regeln und die Sprache zu kennen, sondern auch die Mentalität zu verstehen. Genau das ist auch das Spannende. Ich freu mich drauf. Vor allem deshalb, weil ich gute Unterstützer habe.“

Ein guter Chef

Einer, über den sich Niyousha besonders freut, ist ihr Ausbilder und Chef Mohamed Reda Hajjam. Der 42-jährige Zahntechnikermeister ist Inhaber des Betriebs Prodens Dentaltechnik in Recklinghausen. Über Niyoushas Schritte in den Beruf sagt er: „Sie ist mit großem Engagement dabei. Niyousha ist talentiert und passt sehr gut zu uns. Auch wenn sie gerade beim Einstiegspraktikum eher still und zurückgezogen war. Heute, im zweiten Lehrjahr, ist sie zurecht selbstbewusst, hat schnell Deutsch gelernt und für uns ein echter Gewinn. Mit ihrer offenen Art und positiven Einstellung sind wir froh, sie im Team zu haben.“

Auch Niyousha ist glücklich. Über den Beruf, ihre Ausbildung und die Kolleg*innen sowieso. Und was den Chef anbetrifft, so hebt sie hervor, dass er immer ansprechbar ist, eine positive Ruhe ausstrahlt, mir viel beibringt und, was ich besonders schätze, alle im Team mitnimmt. Keiner bleibt außen vor.

 

Integration kann man nicht alleine

Und das steckt Mohamed Reda Hajjam als Rheinländer wohl im Blut. In Düsseldorf geboren, in der Landeshauptstadt aufgewachsen, hat er nach seiner Ausbildung und Meisterprüfung das Rheinland verlassen und es gegen das Ruhrgebiet eingetauscht. In Recklinghausen ist er Inhaber des Dentallabors Prodens geworden. „Seit September 2015 bin ich hier selbstständig. Ein wichtiger Schritt. Für mich und meine Familie“, betont Unternehmer Hajjam. Sein Stil ist dabei vor allem eines: Unaufgeregt. „Ich selbst arbeite gerne als Zahntechniker und ich möchte, dass auch alle die hier mit mir arbeiten, das gerne tun und in einem respektvollen Miteinander. Alter, Herkunft, Religion oder sonst was spielt keine Rolle. Nur gemeinsam erreichen wir was. Das gilt für erfolgreiche Integration gleichermaßen. Sie lässt sich nicht anordnen. Eine Teamleistung, die vor allem mit Einstellung zu tun hat.“

Für sein Engagement bei der Integration von Menschen mit Zuwanderungserfahrung ins Handwerk wurde Mohamed Reda Hajjam mit seinem Team von der Handwerkskammer Münster 2021 der Integrationspreis verliehen.

 

05/2021 | Fotos: WHKT

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