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Doppelter Gewinn: Von der IQ Sprachqualifizierung direkt in den Arbeitsmarkt

02/2019 | Das IQ NRW Teilprojekt der AWO Bielefeld „Sprachqualifizierungen für das pädagogische Arbeitsfeld und Integriertes Fach- und Sprachlernen (IFSL)“ bietet pädagogischen Fachkräften aus dem Ausland die Möglichkeit, ihre berufsbezogenen Deutschkenntnisse auszubauen. Das Teilprojekt knüpft an das über viele Jahre im IQ Netzwerk erprobte Fachwissen für das Berufsbezogene Deutsch und IFSL an. Die IQ NRW Sprachqualifizierung verbindet fachliche und sprachliche Lerninhalte mit bedarfsgerechten Angeboten. Alaa, Tania, Rahaf und Elton, vier Menschen, die exemplarisch für viele Teilnehmende verschiedener Qualifizierungsangebote des Teilprojektes in NRW im Berufsfeld Pädagogik stehen.
 


Das Angebot ist ein Beispiel erfolgreicher Integration über die IQ Sprachqualifizierung direkt in den Arbeitsmarkt für Pädagoginnen und Pädagogen.

Inzwischen findet der Unterricht direkt in der Grundschule in Bielefeld und damit in den Räumen des Offenen Ganztags statt. Besonders beliebt ist die Schulbibliothek.

„Bonjour ...“ singen die Teilnehmenden in der kleinen Französischstunde von Alaa L., die sie für die Teilnehmenden der Sprachqualifizierung vorbereitet hat.

Lebendiger praxisorientierter Unterricht hat sich bewährt. Darin sind sich alle einig.
 


Zufriedene Gesichter nicht nur bei den Teilnehmenden, sondern auch bei Projektleiterin Cathrin Thomas (2.v.r.) und Markus Wrobbel, Vorstand Kreisverband AWO Bielefeld.

„Ehrlich sein und Kinder mögen“, das ist für Rahaf A., 47, eine wichtige Voraussetzung für den Beruf im pädagogischen Arbeitsfeld. Seit vier Jahren lebt die in Syrien geborene Rahaf mit ihrer Familie in Deutschland und hat drei Kinder. In Syrien studierte sie Wirtschaftswissenschaften. In Deutschland angekommen, besuchte sie die verschiedensten Sprachkurse bis C1 und ihr Bachelorzeugnis in Wirtschaftswissenschaften wurde anerkannt. Darauf ist sie sehr stolz. Engagement und Eigeninitiative zeichnen Rahaf aus, da sie in im Offenen Ganztag (OGS) der Vogelrutschule in Bielefeld zunächst freiwillig arbeitete und ihr Lieblingsfach Mathematik unterrichtete. Diese Arbeit bereitete ihr so großes Vergnügen, dass Rahaf A. sich entschied, in die pädagogische Berufsrichtung zu gehen. Deshalb nahm sie das Angebot des IQ NRW Sprachkurses für Pädagoginnen und Pädagogen an und setzte eigenständig ein eigenes Praxisprojekt mit Kindern der Josefgrundschule in Bielefeld um.

„Besonders der letzte Kurs, in dem ich lernte, wie Erzieherinnen und Erzieher mit den Kindern umgehen, war besonders wichtig für mich: Die Beziehung zwischen den Kindern und der Erzieherin basiert auf Vertrauen. Wenn ein Kind eine Begabung hat, muss die Erzieherin dies erkennen und fördern. Nur so kann sich ein Kind positiv entwickeln. In Deutschland haben Kinder mehr Chancen als in Syrien. Bei Streitigkeiten sollte man Kompromisse finden und ich habe gelernt, wie ich den Kindern beibringen kann, miteinander zu kooperieren. Darüber hinaus spielt auch die Beziehung zwischen den Eltern und den Kindern eine große Rolle. Als Erzieherin kann ich gemeinsam mit den Eltern Lösungen finden. Besonders meine sprachliche Entwicklung verdanke ich dem IQ Angebot. Ich bin sehr dankbar, dass ich nun aufgrund der Teilnahme an der Qualifizierung eine Arbeitsstelle in der Grundschule annehmen konnte.“

 

 

Alaa M., 26, ist Französischlehrerin und lebt seit drei Jahren in Deutschland. In Syrien studierte Alaa Französische Literatur an der Universität. Bereits im September 2018 nahm sie an der Sprachqualifizierung des IQ Netzwerks NRW teil und absolvierte die unterschiedlichen sprachlichen Qualifizierungsbausteine des IQ Teilprojektes. Zu der Sprachqualifizierung beriet sie das IQ NRW Anerkennungsberatungsprojekt beim Träger MOZAIK in Bielefeld, denn laut Beratung kann sie aufgrund des fehlenden zweiten Unterrichtsfaches nicht als Lehrerin in NRW arbeiten. 

Trotzdem wollte Alaa ihr Ziel in einer Schule zu arbeiten nicht aufgeben. Dafür, das war ihr klar, würde sie ihre berufsbezogenen Deutschkenntnisse ausbauen müssen. Dabei half ihr die Teilnahme am Teilprojekt durch die praxisorientierte Vermittlung sprachlicher und fachlicher Lerninhalte. Und so schlug sie schließlich „zwei Fliegen mit einer Klappe“, wie Alaa selber von sich sagt. Sie verbesserte ihre Sprachkenntnisse und bereitete sich auf die künftige Arbeitswelt mit der gezielten Unterstützung von Kindern in der OGS vor. Dadurch ergab sich für Alaa eine ganz neue berufliche Perspektive.

Schon während der Qualifizierung bewarb sie sich auf Stellen in sozialen Projekten. Im März 2019 hatte sie Glück und bekam eine Stelle in einem neuen Projekt. Alaa nutzt weiterhin den Baustein „Sprachcoaching“ des Teilprojektes, um mit Tipps und Tricks die neuen beruflichen Herausforderungen bewältigen zu können.

 


Tania M., 42, aus dem Irak weiß, dass ihr Diplom in kurdischer Literatur, das sie in der Heimat qualifizierte, als Lehrerin zu arbeiten, in Deutschland nicht für das Lehramt anerkannt wird.

„Mit Kindern zu arbeiten gefällt mir aber sehr, Lehrerin ist mein Traumberuf. Schon seit 18 Jahren lebe ich in Deutschland. Für mich gibt es in der Schule als Lehrerin kein reguläres Berufsfeld. Daher musste ich mich anders orientieren. Praktisch arbeiten – das ist mein Ziel.  Ehrenamtlich arbeite ich seit zehn Jahren in der Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Zwischendurch habe ich eine Pause gemacht und meine Kinder erzogen. Ich habe in einer Grundschulbücherei gearbeitet. Meine Sprachkurse habe ich bisher selbst bezahlt.

Im August 2016 bin ich mehr oder weniger ins kalte Wasser gesprungen und habe eine Stelle in der OGS an zwei Tagen in der Woche angenommen. Das Sprachprojekt des IQ Netzwerks bei der AWO Bielefeld besuche ich zusätzlich vormittags. Am Nachmittag lerne ich die Praxis. Die Kinder der 4. Klasse unterstützten mich auf ihre Weise, korrigierten stets meine Fehler. Im Projekt haben wir alle voneinander gelernt. Damit habe ich mehr Chancen, eine C1 Prüfung zu schaffen, da sie für ein mögliches Studium die Voraussetzung ist.

Aber ich schaue mich auch nach internen Aufstiegsmöglichkeiten in der OGS um. Positiv denken und Mut haben – mit dieser Motivation gehe ich durchs Leben.“

 


Elton H.  ist ausgebildeter Lehrer aus Albanien und 42 Jahre alt. Er lebt seit fast zwei Jahren mit seiner Familie in Deutschland. Zwei Kinder sind der Stolz seiner Familie. „Sie sind das Beste in unserem Leben. Ich freue mich jeden Tag über meine Kinder. In Albanien habe ich Geschichte und Erdkunde unterrichtet und war Leiter in verschiedenen Schulen. Seit November 2018 arbeite ich in einer Gesamtschule in Bielefeld.“

Schon in Albanien besuchte Elton einen Sprachkurs. Um an der Sprachqualifizierung des IQ Projektes teilzunehmen, gab er Anfang 2019 seinen Nebenjob als Fahrer auf und konzentrierte sich ausschließlich auf das „Deutschlernen“. Außerdem hospitierte er an einer weiterführenden Schule und bewarb sich auf Stellenangebote im pädagogischen Arbeitsfeld. Sein Engagement lohnt sich: Im Anschluss an die Sprachqualifizierung konnte er eine Teilzeitstelle antreten, in der er pädagogische Angebote für Jungen an Weiterführenden Schulen anbietet.

Da er seinen Beruf als Lehrer liebt, möchte er ihn zukünftig auch in Deutschland ausüben. Derzeit wartet er auf die Anerkennung seiner Unterlagen und hofft auf den Seiteneinstieg als Lehrer in Nordrhein-Westfalen. Mit Hilfe der erlernten Methoden und seiner pädagogischen Kompetenz kann er den Kindern ebenfalls Strategien zur Problemlösebewältigung beim Deutschlernprozess zugänglich machen. Das deutsche Sprichwort „Aus Fehlern lernt man“ hat sich für für ihn nach der Teilnahme nun mit Inhalt gefüllt.

 

Das IQ Team der AWO Bielefeld:  „Wir rücken näher an die Praxis! Durch unseren Umzug in die Räumlichkeiten der Offenen Ganztagsschule kann das Deutschlernen an den beruflichen Alltag angebunden werden – das motiviert die Teilnehmenden und schafft Perspektive."

Produktionsdatum: 02/2019 | Fotos: WHKT; AWO Bielefeld (AWO-Team)

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IQ Teilprojekt: Sprachqualifizierungen im Berufsfeld Pädagogik und Integriertes Fach- und Sprachlernen (IFSL)

Teilprojektpartner: AWO Kreisverband Bielefeld e. V. | Mercatorstraße 10 | 33602 Bielefeld

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